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Sei Teil von unserem Abenteuer!

12. Dezember 2020 

Hafen-Leben

Seit einem Monat leben wir im Hafen von „Marina di Ragusa“ auf Sizilien und sind wieder „sesshaft“ geworden.
Die ersten vier Monate unseres neuen Lebens auf See waren geprägt von täglich neuen Eindrücken, Erlebnissen und Herausforderungen, was gar nicht immer so einfach ist, wie man es sich vorstellt (aber dazu mehr in einem späteren Blogartikel).

Das Hafen-Leben ist da ganz anders. Man kann wieder zur Ruhe kommen und „muss“ nicht täglich zu neuen Ufern aufbrechen. Im Winter ist es üblich, dass die „Liveaboards“ (so werden die Menschen genannt, die auf einem Boot leben) im Mittelmeer in einem sicheren Hafen überwintern. Das Wetter ist immer weniger konstant, es kommen regelmässig Stürme und starke Winde auf und auch die Temperaturen werden kühler, was das Leben draussen auf See etwas ungemütlicher macht.


 
Unser Alltag sieht nun etwas anders aus. Einen Wecker haben wir schon lange nicht mehr gestellt, da wir nicht mehr frühmorgens lossegeln, sondern einfach nur so lange ausschlafen können, wie wir möchten. Noch dazu schlafen wir meistens durch ohne vor Anker von den Wellen „durchgeschüttelt“ zu werden (kommt manchmal vor; das „Rollen“ vermissen wir definitiv nicht) – richtig erholsam! :-)

Auch der Sport kommt jetzt nicht mehr zu kurz. Endlich können wir „einfach“ nur an Land gehen und loslaufen, Fahrrad fahren, Boxen, Surfen, Yoga machen usw. Zuvor mussten wir jeweils das Dinghy (Beiboot) ready machen, all unsere Sachen packen, an Land rudern oder motoren und uns am Strand umziehen (meistens wird man nämlich nass im Dinghy bzw. wenn man es aus dem Wasser in den Sand zieht) bis es endlich losgehen konnte. Noch dazu fand das alles abends statt, nachdem wir bereits ca. zehn Stunden gesegelt sind, was ebenfalls anstrengend und teilweise ermüdend sein kann. Diejenigen von euch, die schon mal einen ganzen Tag auf See verbracht haben, können das bestimmt nachvollziehen. ;-)

Wäsche waschen ist jetzt viel einfacher und weniger Zeit intensiv. Es gibt eine Waschmaschine im Hafen, wo man für EUR 3.50.- eine „Tonne" Kleider waschen kann – yeeeeeeyyyy zur Abwechslung mal nicht von Hand waschen! Danach wird die Wäsche allerdings am Boot (an der Reling) aufgehängt und in der Sonne bzw. an der frischen Luft getrocknet. Wir schmeissen unsere Wäsche nie in den Trockner, das wäre verschwendete Energie und verschwendetes Geld!

Das Kochen macht doppelt Spass, wenn das Boot ruhig im Hafen steht und weder Wellen noch eine grosse Krängung vorhanden sind. Unser Brot backen wir jetzt immer selbst und sogar Weihnachtskekse haben wir im Gasofen hingekriegt – naja, nicht gleich gut wie zu Hause aber besser als nichts.


Neben all den „normalen“ Hausarbeiten haben wir auch nach wie vor einige kleinere Bootsarbeiten, die wir umsetzen. Die Küche und das Bad sind jetzt ausgestattet mit LED und die WC-Rohre, welche wir bereits vor unserer Reise ausgetauscht haben (leider die falschen – nicht geruchsdicht!), wurden nochmals ersetzt. Wir haben Kleiderhaken angebracht (zum ersten Mal benutzen wir Jacken), das Dinghy ausgewassert, die Segel runtergenommen u.v.m. Es wird uns nie langweilig! :-)

Last but not least – im Hafen gibt es eine tolle Community von Seglern, die sich untereinander helfen, man trifft sich zum Kaffee, Apèro, Abendessen, Spiele spielen oder einfach nur zum Plaudern auf dem Steg.  Das kannten wir so vorher nicht, da man nicht viele Leute trifft, wenn man jeden Tag von einem Ort zum nächsten segelt. Die Gesellschaft geniessen wir deshalb sehr. Ich (Jana) unterrichte zudem jede Woche Yin Yoga für die Hafen-Bewohner, was mir grossen Spass macht und ich sehr vermisst habe.

Von Corona merken wir zum Glück nicht viel auf unserer „geschützten Hafeninsel“.  Lediglich wenn wir das Hafengelände verlassen, müssen wir eine Maske tragen und die Restaurants und Cafés in der Umgebung schliessen bereits um 18.00h. Das macht uns allerdings nichts aus, da wir sowieso am liebsten zu Hause kochen (obwohl die Pizza hier ganz gut ist). :-)

 

12. Oktober 2020 

Einfach nur Geniessen!

Das war das Motto der letzten 2.5 Monate. Deshalb, liebe Familie, Freunde und Bekannte, haben wir nicht einmal die Zeit dazu gefunden (oder besser gesagt, wir haben uns bewusst Zeit für uns genommen), euch regelmässig mit Blog-Artikeln zu versorgen. ;-) Wer mehr von uns hören möchte, folgt uns deshalb am besten auf Instagram @sailingheureka.
Wir hoffen, ihr nehmt uns das nicht übel und fassen nun gerne den Beginn unseres neuen Lebens für euch zusammen. Nehmt euch genügend Zeit zum Lesen, der Artikel wird ausnahmsweise etwas länger.

Wie ihr unserem letzten Artikel entnehmen könnt, hat alles Ende Juli 2020 in Frankreich (Port Napoleon) begonnen. Unser erstes Ziel war die kleine Insel Frioul gegenüber von Marseille. Der erste Schlag dauerte ca. 6 Stunden und ein Auf und Ab der Gefühle war vorprogrammiert. Einerseits war da die grosse Freude, dass wir endlich starten können, andererseits sind wir unsere HEUREKA noch nie gesegelt und hatten natürlich grossen Respekt, ob alles so kommt, wie wir uns es wünschten. Bereits als wir das erste Mal das Genua (Vorsegel) ausrollten, um zu wenden, wurde die Stimmung weniger gut. Irgendwie wollte das nicht so klappen, wie wir es von unserem früheren Boot auf dem Neuenburgersee gewohnt waren. Das Vorsegel ist um einiges grösser und es blieb überall „hängen“. Später merkten wir, dass nicht das das eigentliche Problem war, sondern, dass das Segel schlicht und einfach noch zu neu und „steif“ war, um geschmeidig von einer Seite zur andern zu gleiten. Zudem kannten wir unser Boot natürlich nicht in Bezug auf die Windverhältnisse und haben schon bald festgestellt, dass unsere HEUREKA etwas mehr Wind und Fahrt benötigt, um sauber und zügig wenden zu können.
Auch beim Einrollen des Segels wurde an diesem ersten Tag ausgerufen. Irgendwie wollte es einfach nicht sauber gehen, was wir im Nachhinein ebenfalls auf die Steifheit des Segels zurück führen konnten (heute klappt das prima! J). So kam es, dass unsere Geduld bereits nach zwei Stunden am Ende war und wir bis nach Frioul motorten. Heute, zwei Monate später, lachen wir bereits darüber!

Nach zwei Nächten an der Boje im Hafen der Insel Frioul und einem Besuch mit der Fähre in Marseille ging es weiter nach La Ciotat. Der Wetterbericht kündigte einen heftigen Mistral an und da wir unser Ankergeschirr noch nicht kannten, beschlossen wir sicherheitshalber vier Nächte im Hafen abzuwettern. Da wir nur eine Mooringleine Backbord hatten, drückte uns der starke Wind auf die anderen Boote. Wir waren deshalb heilfroh, dass wir unsere HEUREKA an der „Z“, eine 65.5 Meter lange Motoryacht, mit mehreren Leinen festmachen durften. Die Crew der Yacht hatte ja schliesslich sonst nichts zu tun und wartete seit Monaten im Hafen La Ciotat, bis sein Besitzer sie wieder einmal in Anspruch nehmen sollte. ;-)
Das alte Hafenstädtchen hat sehr viel Charme und es mangelt nicht an Gelaterias. In einer davon haben wir vermutlich die beste Glace verspeist.  Mal schauen, was Italien noch so bringen wird.
In diesen Tagen hatten wir zum ersten Mal Besuch aus der Schweiz. Jil und Tom sind mit ihrem VW-Bus ganz spontan nach Südfrankreich gefahren, um uns zu sehen. Was für eine schöne Überraschung! Gemeinsam haben wir einen Tag verbracht und uns sogar mit dem Dinghy nach draussen gewagt. Nach einem gemütlichen Abendessen sind die beiden wieder weitergezogen, um am darauffolgenden Morgen das Calanque Gebirge zu bewandern.

Unser nächstes Ziel stand schon vor der Tür (unsere Bootsnachbarn Claude & seine Tochter Esther haben uns vorgeschwärmt) und so ging es weiter nach Les Embiez, die Insel von Paul Ricard. Er erwarb diese in den 1950er und machte daraus ein kleines Paradies, das er mit allen Menschen teilen wollte. Nach einem wunderbaren Abend mit Claude und Esther beim Live-Konzert der „Beatles“ und einer kleinen Morgenwanderung treibt uns die Reiselust weiter bis zur Insel Porquerolles. Da haben wir dann zum ersten Mal erlebt wie „ecklig“ das Ankern sein kann. Vor lauter Motorbooten und den daraus verursachten Wellen, wussten wir nicht mehr wo uns der Kopf stand! Zum Glück war auch die Insel Porquerolles sehr schön zu entdecken und so verbrachten wir die meiste Zeit an Land bevor es weiter ging.

 


Bereits nach diesen zwei Wochen stand unser erster grosser „Schlag“ bevor. Und zwar ganze 153 Seemeilen (ca. 275 km) von Porquerolles nach Korsika (Bonifacio). Leider war der Wind nicht auf unserer Seite und so motorten wir fast 31 Stunden bis ans Ziel. Trotzdem war es eine wunderbare Erfahrung mehr als einen ganzen Tag und eine ganze Nacht auf unserer HEUREKA zu verbringen. Zwei Sonnenaufgänge und einen Sonnenuntergang auf dem offenen Meer, was für ein Erlebnis! Wir haben gegessen, gelesen, unseren kleinen Begleiter „Herr Vogel“ beobachtet (sass 5 Stunden auf unserem Bugkorb) und einfach nur genossen. In der Nacht wechselten wir uns alle drei Stunden ab, um Wache zu halten. Da muss man vor allem die grossen Fähren im Auge behalten, die mit ihrer hohen Geschwindigkeit in „nullkommanix“ neben einem sind.

Vor Anker in der Bucht Paragnanu gab es zuerst mal ein Nickerchen bevor wir Tamara und Thomas zum Abendessen trafen. Sie verbringen ihren Urlaub ebenfalls mit dem Bus auf Korsika und sind begeistert von den vielen schönen Orten, die die Insel zu bieten hat. Auch Bonifacio, wo wir gemeinsam speisten, ist ein wunderbares Städtchen – leider ist das mit dem Essen bei den Franzosen etwas anders.. irgendwie hatten wir einfach nie so richtig Glück damit (schade!). Aber am liebsten kochen wir ja immer noch selbst auf dem Boot. Der nächste Tag brachte perfekte Segelbedingungen mit und so lernten Tamara und Thomas unsere HEUREKA auch mal noch von dieser Seite kennen (nicht nur auf dem Bock in Cudrefin).

Der Abschied von unseren Liebsten fällt wie immer schwer, jedoch freuten wir uns schon riesig darauf, endlich nach Sardinien zu segeln und diese wunderschöne Insel zu entdecken. Mitte August hatten wir auch schon zum ersten Mal „richtigen“ Besuch. Unsere Freundin Fabia verbrachte 10 Tage mit uns im Norden und von Flaute über Starkwindsegeln hat sie alles miterlebt! Für Fabia ging es schon bald zurück in die Schweiz und für uns weiter, der Ostküste entlang in den Süden von Sardinien, wo wir unseren Freund Carlo besuchten. Der Weg dahin war gar nicht so easy. Wieder einmal gab es viel Wind und somit auch viele Wellen. Nachdem es uns vor Anker bereits zwei Nächte durchgeschüttelt hatte, entschlossen wir uns weiter zu ziehen und wagten uns weiter raus aufs Meer, in der Hoffnung, die Wellen werden angenehmer. Falsch gedacht, wir hatten so weit draussen ca. 3-4 Meter Wellen und Jana manövrierte das Boot für 5 Stunden durch die Wellen. Alle Ankerplätze, die wir im Golfo di Orosei anfuhren, waren mindestens gleich „schlimm“ oder sogar noch ungeeigneter als derjenige wo wir zuvor lagen. Nur leider konnten wir jetzt nicht mehr umkehren. So fuhren wir also weiter und siehe da, ein Wal kreuzt unseren Weg! Was für ein unglaubliches Gefühl – er tauchte ca. 20 Meter neben uns zweimal auf und hat uns sogar gegrüsst! :-) Da war die Situation schon nicht mehr ganz so schlimm.
Nach ca. 12 Stunden und bei einbrechender Dunkelheit entschieden wir uns bei Arbatax vor Anker zu gehen (grosser Fehler!). Auch da ging es weiter wie gewohnt mit den wilden Wellen und Starkregen. Federico hatte immerhin noch die Motivation, abends Pasta zu kochen. Allerdings wollt ihr gar nicht wissen, wie lange das gedauert hat und was da für schlimme Wörter gefallen sind! ;-)



Zum Glück hat alles Übel mal ein Ende und so kamen wir einige Tage später bei unserem Freund Carlo am „Entu Beach“ in Sant Elmo an. Wir nahmen uns fünf Tage, um uns zu erholen und es uns gut gehen zu lassen. Die Seele am Strand baumeln lassen, gutes Essen, gutes Trinken, tolle Menschen und nicht zu vergessen ganz viel Knuddeln mit der kleinen Katze „Entu“. Ja, Jana ist es seeeeehr schwer gefallen, wieder weiter zu ziehen und am liebsten hätte sie die Katze mit aufs Boot genommen. Dafür haben wir kurz darauf zum ersten Mal Delfine gesehen, die sogar mit uns mitgeschwommen sind – einfach nur WOW!!!

Da wir bereits Mitte September unsere nächsten Gäste in Empfang nehmen durften, machten wir uns auf den weiten Weg zurück in den Norden Sardiniens, Korsika, vorbei an der Insel Elba bis nach San Vincenzo. Nach ein paar wunderbaren Tagen in Colle Val d’Elsa bei unseren Freunden Pino & Pina, besuchten uns Corinne und Jessie. Die ersten drei Nächte verbrachten wir bei so viel Wind wie noch nie (45 Knoten) im sicheren Hafen von San Vincenzo. Die Wellen wurden so gross, dass sie sogar über die Hafenmole spritzen und HEUREKA vollkommen in Salz getaucht war. Schön, dass wir nur 3 Tage zuvor das komplette Boot geputzt hatten. Die ganze Aktion fand jetzt nämlich nochmals statt, diesmal aber mit Unterstützung der erweiterten Crew. ;-) Als wir am dritten Tag endlich auslaufen konnten, waren die Wellen noch ziemlich wild, wie meistens nach solchen Stürmen. Für unsere beiden Damen, die zum ersten Mal auf einem Segelboot waren, eine richtige Feuerprobe. Noch dazu war es kalt, bewölkt und es regnete. Federico und Jana konnten dafür zum ersten Mal ihr Ölzeug in Gebrauch nehmen. Alles super wasserdicht, nur an den richtigen Schuhen fehlte es– leider sind Nike Turnschuhe nicht geeignet für eine solche Witterung! Wir nehmen uns deshalb fest vor, im nächsten Nauticshop richtige Stiefel zu kaufen!
Die restlichen Tage auf der Insel Elba hatten wir Glück und das Wetter hat zwar umgeschlagen auf Herbst (die Temperaturen sind gesunken) aber trotzdem waren uns einige Sonnenstrahlen vergönnt. Wer nur einen kurzen Urlaub vor sich hat, dem können wir die Insel Elba sehr empfehlen. Die Distanzen sind überschaubar, die Insel ist extrem grün und die Orte Porto Ferraio, Marina di Campo und Porto Azzuro wirklich sehr hübsch!

Nach einer Woche war auch dieses Abenteuer bereits Geschichte und nachdem wir Corinne und Jessie wohlbehalten wieder in San Vincenzo abgeladen und verabschiedet hatten, verbrachten wir gleich nochmals 3 Nächte im selben Hafen wegen zu viel Wind!
Dafür meinte es Neptun in den letzten 10 Tagen umso besser mit uns. J Jeden Tag Sonnenschein, Wind zum Segeln und nur wenige „Nachwehen“ des Sturms. So machten wir uns auf den Weg nach Giglio, eine Insel weiter südlich von Elba und weiter Richtung Rom, wo wir jetzt gerade diese tolle Stadt erkunden!

In den nächsten Tagen geht es dann weiter Richtung Süden nach Napoli, Ischia, Amalfi, Agropoli, über die Äolischen Inseln bis nach Sizilien, wo wir den Winter verbringen werden.

Danke für deine Zeit und Ausdauer unser Abenteuer in diesem Blog mit zu verfolgen!

 

30. Juli 2020

Auf geht's mit HEUREKA ans Meer!

Wir können es kaum glauben! Nach über einem Jahr Vorbereitungszeit, unzähligen Herausforderungen, harter Arbeit (Tag & Nacht) und viel Schweiss, ist es endlich soweit und wir können unsere HEUREKA ans Meer transportieren. Am Montag, 20.07. um 08.00h soll sie verladen und mittels Schwertransport nach Port Napoleon gefahren werden.

Das Wochenende vorher haben wir damit verbracht, zu packen, das Boot zu beladen, letzte Arbeiten abzuschliessen sowie uns von unserer Familie und Freunden zu verabschieden. Gar nicht so einfach, alles zurück zu lassen und ein neues Leben auf hoher See zu beginnen. Irgendwie fühlt es sich noch immer surreal an, doch jetzt gibt es kein zurück mehr und die langersehnte Reise geht los!

Am Montag um 06.00h ist Tagwach und wir machen uns zum letzten Mal auf den Weg nach Cudrefin. Der Transporteur „de Meuron“ und der Krahn von „Sandoz“ stehen bereits da, als wir eintreffen und so kann es direkt losgehen mit dem Aufladen. Das ganze Prozedere dauert ca. 2.5 Stunden und um 10.30h verabschieden wir uns von unserer Familie & Freunden und düsen los Richtung Frankreich. In „En Convers“ wird das Boot noch mit Diesel betankt und danach geht’s ohne Stopp bis zur Grenze. Erstaunlicherweise gibt es keine wirklichen Vorschriften (oder niemand weiss darüber Bescheid – ich habe ganze 3 Stunden rumtelefoniert!), um ein Boot in ein anderes Land zu transportieren und wir müssen weder irgendwelche Dokumente ausfüllen noch etwas vorführen. Selbst die Dame an der Grenze meint, wir sollten einfach weiter fahren und das wäre alles nur kompliziert, wenn wir das auf dem „offiziellen“ Weg machen möchten. Und so geht alles ganz schnell und wir befinden uns schon in Frankreich. Das einzige was zu beachten ist, wenn man ein Boot nach Europa ausführt, ist, dass man mit diesem nicht länger als 18 Monate in Europa bleiben darf, da man sonst dazu verpflichtet ist, die europäische Mehrwertsteuer zu bezahlen. Und das würde in unserem Fall ziemlich teuer werden – ca. 20% vom Wert des Boots! Wenn alles gut geht, überqueren wir ja zum Glück bereits im November 2021 den Atlantik.

 


Die erste Nacht schlafen wir in einem Hotel ca. 30min entfernt von Port Napoleon, da HEUREKA, wenn alles gut geht, erst am nächsten Tag ankommen soll. Das Hotel ist eine ziemliche Enttäuschung und wir freuen uns, dass wir schon bald den schimmligen Zimmern entfliehen und auf HEUREKA im Hafen übernachten können.

Früher als erwartet trifft „Schumi“ von de Meuron Transporte am Dienstag, 21.07. um 13.00h in Port Napoleon ein. Zuerst wird das Boot auf einen Bock abgeladen, weil wir noch alle Durchlässe kontrollieren und zwei davon fertig stellen müssen. Erst am Mittwoch, 22.07. um 09.30h wird eingewassert und wer hätte das gedacht – HEUREKA schwimmt und alles ist dicht – juuuhee! Den Mittwochnachmittag verbringen wir damit, den Mast vorzubereiten und die Masttritte zu montieren, sodass bereits am Donnerstagvormittag aufgeriggt werden kann. Auch das Aufmasten verläuft reibungslos und wir sind voller Vorfreude schon bald in See zu stechen. Am Freitag widmen wir uns top motiviert der Inbetriebnahme des Watermakers. Leider müssen wir bereits nach kurzer Zeit feststellen, dass irgendetwas nicht so funktioniert wie es soll und so schieben wir diese Arbeit nochmals beiseite und stellen das komplette Boot auf den Kopf, misten Werkzeuge etc. aus und räumen alles sauber und sinnvoll ein. Spätabends wird dann sogar noch der Gasherd fertig installiert und um 23.30h der erste Kaffee aus der italienischen Mokka der Nonna „Luisa“ genossen.

Am Samstag, 25.07. möchten wir gleich früh morgens die Segel hochziehen und das erste Mal in See stechen. Leider läuft es aber wieder einmal anders als erwartet und so findet Fee gleich zu Tagesbeginn Wasser in der Bilge. Als könnte es nicht noch schlimmer kommen, handelt es sich dabei um den Inhalt des Schwarzwassertranks. Zur Erklärung: im Schwarzwassertank sammeln sich die weniger schönen Dinge wie Pipi und Weiteres... so verbringen wir den Vormittag damit, die Bilge von Hand auszupumpen und die ganze Sauerei wieder in Ordnung zu bringen. Das Problem bei der ganzen Sache lag dabei an einem Ventil, das nicht komplett fest verschlossen wurde, weshalb der Tank auslaufen konnte. Am Mittag gibt es zur Abwechslung mal wieder was Erfreuliches und wir kochen zum ersten Mal auf unserem Gasherd Pasta mit selbst eingemachter Tomatensauce! Nach so einem Morgen schmecken die noch viiiiiel besser als gewohnt! Danach widmen wir uns den Segeln und um 17.00h machen wir uns unter Motor auf den Weg aus dem Hafen. Der Wind ist ziemlich stark und so ist das manövrieren im Hafen gar nicht so einfach. Das Boot treibt ab und wir brauchen etwas Zeit, unsere HEUREKA sicher aus dem Hafen zu bringen. Zum Glück geht alles gut und es gibt keine Verletzte. ;-) Die Hafenausfahrt ist sehr lange und nach ca. 1 Stunde versuchen wir das Genua auszurollen und loszusegeln. Mal wieder kommt es anders und so schnell wir das Segel ausgerollt haben, ist es auch wieder eingerollt. Die Leinen der Rollanlage haben sich verhädert und aufgrund des starken Winds, muss das zuerst im sicheren Hafen in Ordnung gebracht werden, bevor gesegelt wird.

Während wir die nächsten Tage noch auf das Sprayhood und den Lazybag warten, werden diverse weitere kleine Arbeiten ausgeführt. Am Donnerstag, 30.07. kann es dann endlich losgehen und wir brechen früh morgens zum ersten Schlag nach „Ile Frioul“ auf. Die ersten 24 Seemeilen haben wir gut überstanden und HEUREKA fühlt sich pudelwohl im Salzwasser. Was für ein Gefühl, nun endlich auf dem Meer zu sein und unseren Traum zu leben!

 

11. Mai 2020 

Unterwasserschiff 100h+

Was für ein Unterfangen! Niemals hätten wir gedacht, dass es mit so einem riesen Aufwand verbunden ist, das Unterwasserschiff auf Vordermann zu bringen. Es wurde seit mehreren Jahren nicht mehr von unseren Voreignern gepflegt, weshalb wir daraufhin über 100 Stunden für sämtliche Arbeitsschritte aufwendeten.

Der erste Schritt besteht darin, die vorhandenen Schichten (welche teilweise bereits abbröckelten) mit Hilfe eines Spachtels bis auf das Alu weg zu schaben. Aber Achtung, Kratzer im Alu sind nicht erwünscht, denn diese müssen später ausgebessert werden. Dies nahm ca. 2.5 Tage in Anspruch, in denen wir am ganzen Körper - ja sogar in den Augen und Ohren - voll von hartnäckigem Staub waren. Gut gibt es Masken und Schutzbrillen! :-)

Danach wird der komplette Rumpf mit der Schleifmaschine sowie mit feinerem Schleifpapier von Hand abgeschliffen – „läck“ geht das in die Arme - und schon wieder dieser Staub!
Wichtig ist, dass keine unebenen Stellen mehr vorhanden sind und der ganze Rumpf sauber geschliffen wird, damit die Grundierung und das Antifouling im Anschluss gut haften. Weitere 2 Tage Aufwand.

Diejenigen Stellen, bei denen versehentlich bis auf das Alu „gekratzt“ wurde, müssen im Anschluss mit Spachtelmasse gefüllt, getrocknet und erneut abgeschliffen werden. Ansonsten hält die Farbe bei diesen Stellen nicht. 1 Tag Aufwand. Dieses Prozedere wird ein zweites Mal wiederholt.

Nachdem der Rumpf sauber mit Wasser abgespritzt und geputzt/getrocknet wurde, kann endlich die erste Grundierungsschicht aufgetragen werden. Um den kompletten Rumpf einmal zu streichen, werden 6 Stunden benötigt. Nachdem die Farbe ca. 3 Stunden getrocknet ist, kann die zweite Grundierungsschicht aufgetragen werden. Vom Antifouling werden total drei Schichten benötigt. Somit sind wir bei weiteren 4.5 Tagen Arbeit.



Man könnte meinen, dass das Unterwasserschiff nun fertig ist. Falsch gedacht... sämtliche Arbeitsschritte werden nochmals wiederholt für die vier Stellen, wo das Boot auf dem Bock abgestützt ist. Das ist mitunter das schwierigste Unterfangen, weil das Boot angehoben werden muss, ohne dass es vom Bock kippt. Auch das haben wir nach ca. 2 Tagen geschafft und blicken nun stolz auf diesen Haufen Arbeit, der uns jedes Wochenende der letzten 6 Wochen gekostet hat.

Jetzt geht's an die Innenausrüstung!

 

13. Oktober 2019 

Projekt «HEUREKA»

Anfang dieses Jahres haben wir uns darüber unterhalten, wie es wäre, gemeinsam die Welt zu besegeln. Wir konnten nicht mehr aufhören davon zu träumen und so kam es dazu, dass wir anfingen nach einem geeigneten Boot Ausschau zu halten. 

Zu Beginn dachten wir, es wäre frühestens in 2-3 Jahren soweit. Als wir im März die HEUREKA auf dem Neuenburgersee besichtigten und ihre Geschichte hörten, wussten wir sofort, das ist unser Boot - «HEUREKA!» - wir haben sie gefunden! 

Nie hätten wir damit gerechnet, so schnell die passende Segelyacht zu finden und somit unserem Traum ein grosses Stück näher zu kommen. Jetzt wo wir ein Schritt weiter waren, wussten wir, dass wir nicht mehr 2-3 Jahre warten können. So fingen wir an, unseren Plan zu schmieden, zu rechnen und zu organisieren. Schon bald stand fest, dass die Reise im Mai 2020 losgehen soll. Natürlich war uns von Anfang an bewusst, dass es finanziell sehr eng wird. Das Boot muss bis Ende des Jahres abbezahlt werden und zudem müssen wir diverse weitere Investitionen tätigen, um unsere HEUREKA hochseetauglich zu machen und die Sicherheit an Bord zu gewährleisten. 

 


Zu Beginn war uns beiden nicht bewusst, wie viel Arbeit hinter diesem Projekt steht. Jetzt sind wir mitten drin und jeden Tag kommen neue Dinge dazu, die es zu organisieren gilt. Eine Herausforderung (oder viele), die wir gemeinsam meistern werden bis es endlich losgeht. Die Arbeiten, welche wir selbst ausführen können (Refit), sind bereits in vollem Gange. Im Dezember besuchen wir den «Medizin an Bord» Kurs und auch die Funkerprüfung steht noch bevor. Im März 2020 nehmen wir an einem Survival Training in Deutschland teil und Jana wird in den nächsten Monaten einiges zu „büffeln“ haben – auch sie möchte die Hochseeprüfung absolvieren, bevor es losgeht. 

Neben all dem müssen zudem die privaten/bürokratischen Angelegenheiten geregelt werden – Wohnung & Auto künden, Versicherungen für Boot & uns, Transport der Yacht ans Meer und und und. Im Moment sehen wir vor lauter Bäumen den Wald kaum mehr. Doch wir haben unser Ziel vor Augen und das motiviert uns jeden Tag aufs Neue! 

Schon bald geht’s los und mit eurer Unterstützung wird es möglich!

 

16. September 2019 | Cudrefin     

Es wartet ein Haufen Arbeit auf uns.

Waschen, Polieren, Schleifen, Spritzen – in der Woche vom 16. September wird zum ersten Mal so richtig am Boot gearbeitet. Federico & Robi setzen ihre ganze Manneskraft ein und sind nach einer Woche fix & fertig. 

Der erste grosse (schwere) Brocken ist geschafft.

Die Auswasserung von einem 10 Tonnen Boot ist nicht ganz ohne! Dank Unterstützung von «Stucki Bootbau» und «de Meuron» ist der Transport nach Cudrefin reibungslos über die Bühne gegangen. Als nächstes steht der Refit bevor! 

Die erste Fahrt mit unserer HEUREKA.

Die Überfahrt vom Hafen St. Aubin zum Hafen Portalban am Neuenburgersee ist gelungen! Familie und Freunde erwarten uns zum Apero. Wir freuen uns auf alles, was noch kommt!